... war wieder alles vorbei! Mit dieser reißerischen Schlagzeile beginnen wir unsere Rückschau, die sich diesmal über zwei Spielzeiten erstreckt. Leider musste die Rubrik im letzten Jahr ausfallen, und das war sehr schade. Da hätten wir nämlich mit Erfolgsmeldungen nur so um uns geworfen. Die holen wir zwar jetzt nach, logisch, aber da kommt sofort der Vergleich mit der 90/91er Saison, und dann gibt's halt meistens gleich wieder den Dämpfer obendrauf.
Wie im AMBERGER MATTNETZ Nr. 21 nachzulesen, hatten wir uns nach längerer Durststrecke wieder in die Regionalliga hinaufgeschwungen. Dort placierten wir uns mit soliden Leistungen als Sechster und konnten für die Folgesaison mit Ralf Grabert eine tolle Verstärkung melden. Ralf enttäuschte uns nicht: 6,5 Punkte am Spitzenbrett waren eine phantastische Leistung - und dennoch handelten wir uns ein 3,5:4,5 nach dem anderen ein. Fünfmal verloren wir mit dem knappsten aller Ergebnisse, und am Ende blieben nur 6:12 Punkte, Rang acht, der Abstieg - und schmerzlicherweise zudem noch der Weggang der ersten drei Bretter. Ralf versuchte sein Glück bei Fortuna, Ruppi und Lutz zog es zur DJK Nord. Der Rest fing im Herbst 1991 damit praktisch wieder bei Null an.
Die zweite Mannschaft zeigte sich solidarisch. 1989/90 wurde sie ebenfalls Sechste; im Jahr darauf rutschte sie auf Platz acht ab, was den Abstieg aus der Bezirksliga zur Folge hatte. Das war umso bitterer, als man lediglich zwei Zähler hinter Vizemeister Haselmühl ins Ziel kam. So eng war es in jenem Jahr, nur die Chamer setzten zum Sturmlauf Richtung Landesliga an und marschierten weit vorneweg.
Mannschaft Numero drei stürzte genauso, allerdings nicht so tief: Der Vizemeister der Saison 1989/90 landete ein Jahr später als Vierter. Damals gab es auch noch Amberg IV, zum letztenmal übrigens. Nach dreijähriger Existenz verabschiedete man sich als Vorletzter der Liga. Was soll man da noch sagen? Am besten schweigen wir und hoffen auf das Spieljahr 1991/92; eigentlich konnte es nur besser werden (und wurde es auch). Doch jetzt genug der Trübsalblaserei. Wenden wir uns dem Oberpfälzer Viererpokal zu, bei dem wir in den Jahren zuvor immer recht wenig zu bestellen hatten. 1990 aber lief es glänzend. Im Halbfinale behielten wir im "vorweggenommenen Endspiel" gegen die DJK Nord aus Regensburg mit 2:2 die Oberhand - Lutz Kampmann holte den "big point" gegen seinen "Lieblingsgegner" Andreas Luft - , und im Finale ließen wir beim 3:1 über Oberviechtach nichts anbrennen. Amberg Pokalsieger: wann hat es das je gegeben? (Heutzutage jedenfalls nicht mehr, da werden wir nur ständig Zweiter.) Damit qualifizierten wir uns für höhere Aufgaben, und dabei versetzten wir erst mal die bayerischen "Nordlichter" aus Nordhalben, bevor uns Siemens München auf den Boden der Tatsachen zurückholte. Trotzdem ein Traumergebnis!
Auch die Blitzmannschaft erreichte als Oberpfalz-Vize die Startberechtigung für den bayerischen Wettbewerb. Dass dann in Erlangen in geschwächter Besetzung nur der vorletzte Platz heraussprang, war zu erwarten und störte nicht besonders. Einen ganz tollen Erfolg landete im gleichen Jahr eine Truppe, die zwar nicht direkt mit unserer Schachsparte zu tun hatte, aber sich doch zu einem Gutteil aus dieser rekrutierte: Die Schulschach-Mannschaft des Max-Reger-Gymnasiums Amberg, der neben Betreuer Joe Ferstl mit Andreas Rupprecht, Gerhard Franz und Stephan Forster drei SGS-Spieler angehörten, wurde Nordbayerischer Meister und danach hinter dem Gymnasium Pfarrkirchen Bayerischer Vizemeister. Die Endrunde auf Bayernebene fand übrigens vor heimischer Kulisse statt, und der Autor dieses Berichts - er durfte damals Schiedsrichter "spielen" - denkt gerne an diese gelungene Veranstaltung zurück.
Bekannte Namen tauchen in den Siegerlisten der Einzelkonkurrenzen auf. So holte Andreas Rupprecht 1991 seinen zweiten Stadtmeistertitel mit klarem Vorsprung vor Sepp Schlaffer und Gerhard Franz; überdeutlich dominierte er darüber hinaus bei unseren Blitzturnieren vor Weihnachten, wo er in 31 Partien nur ein einziges Remis abgab. Auch Lutz Kampmann erwies sich als Blitz? und Schnellschachspezialist bei zwei Turnieren in Haselmühl und belegte beide Male den zweiten Platz. Zudem wäre er bei den Oberpfalzmeisterschaften in Windischeschenbach als Fünfter der M II fast in die M I aufgestiegen. Weiter geht es mit Gerald Rösch, der sich 1990 die Stadtmeisterschaft sicherte und die Verfolger Reindl, Kampmann und Rupprecht auf Distanz hielt. Ferner erreichte er bei einem stark besetzten Blitzturnier in Schwandorf Rang drei, trumpfte beim Nürnberger Open mit 5 aus 7 mächtig auf und eroberte beim Open in Starnberg den Skalp von IM Klaus Klundt. Last not least ist Nachwuchsmann Gerhard Franz zu erwähnen, der bei den A-Jugend-Oberpfalzmeisterschaften hinter dem Kelheimer Sven Quist "Vize" werden konnte und dabei solche Größen wie die Kreuzer-Zwillinge, Roland Janka oder Reinhard Dietrich hinter sich ließ.
Man sieht, dass die Amberger immer häufiger Turnierluft schnupperten, und das nicht nur in der Region, sondern teilweise in weiter Ferne vom heimischen Schachtisch. Heute ist das ja gang und gäbe, aber vor zehn Jahren sorgten beispielsweise Stephan Forsters "Weltreisen" nach Remagen, Koblenz und Baden-Baden schon für Aufsehen. Auch die Oberpfalzmeisterschaften fanden immer mehr Anhänger bei der SGS. So mietete man sich gemeinsam in Ferienwohnungen ein und verlebte schöne Stunden im größeren Kreis - auch mal außerhalb des Turniersaals.
Schließen wollen wir mit einem Ereignis besonderer Art, nämlich dem Gegenbesuch der Schachfreunde aus dem ungarischen Tatabanya im Sommer 1990 bei uns. Angeführt von Vorstand Tamas Galgoczy (der übrigens gar kein Schachspieler ist - in Deutschland undenkbar!) und FIDE-Meister Laszlo Kosa traf man sich mit den Siemensianern sowohl am Schachbrett als auch in geselliger Runde bei Ausflügen in Amberg und Umgebung. Die Ungarn zeigten temperamentvolles Angriffsschach, und dem Autor ist noch heute Georg Böllers Kommentar zur Partie Reindl - Korodi gegenwärtig: "Hier spielt ungarische Phantasie gegen deutsche Eiseskälte." (Na ja, die deutsche Eiseskälte nahm alles mit, was die ungarische Phantasie anbot, und am Ende blieb letztere auf der Strecke. Aber das nur nebenbei.) Insgesamt waren sich beide Teams ungefähr ebenbürtig, gefallen hat der Besuch allen, und eigentlich wollten sich beide Vereine irgendwann einmal wieder treffen. Aber bisher ist es beim Wollen geblieben.
Der Schreiber dieser Zeilen will nun auch etwas, nämlich Schluss machen, denn schließlich zeigt der Chronometer 23 Uhr 25. Im nächsten Jahr gibt es hoffentlich wieder an dieser Stelle einen kleinen Blick zurück. Dann werden wir sehen, was die SGS nach dem Abstiegstrauma aufs Brett brachte ...